Geld- und Spartipps für HedonistInnen

Wikipedia sagt zum Begriff Hedonismus:

Hedonismus (von altgriechisch ἡδονή, hēdonḗ, „Freude, Vergnügen, Lust, Genuss, sinnliche Begierde“;[1] Wortbildung mit dem Suffix -ismus) bezeichnet zumeist eine philosophische bzw. ethische Strömung, deren Grundthese lautet, dass einzig Lust bzw. Freude und die Vermeidung von Schmerz bzw. Leid intrinsisch oder final wertvoll sei(en). Im Gegensatz zu dem philosophischen Verständnis wird im alltagssprachlichen Gebrauch mit dem Begriff Hedonismus häufig eine nur an momentanen Genüssen orientierte egoistische Lebenseinstellung bezeichnet. In diesem Sinne wird der Begriff Hedonismus oft abwertend gebraucht und als Zeichen der Dekadenz interpretiert.

Erkennt ihr euch wieder? 🙂 Seid ihr auch HedonistInnen? Dann lacht ihr bestimmt auch herzlich über dieses wunderbare Gedicht von Goethe alias Barbara. 😀

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Quelle: @ich_bin_barbara

Dass ich Hedonistin bin, heißt für mich leider auch, dass ich eine überbordende, oftmals leichtsinnige Einstellung zu Spaß und Geld habe. Diese Sprüche könnten von mir sein:

  • „Ach was solls, gutes Essen ist mir mein Geld wert, lass uns zum Griechen gehen!“
  • „Oooooh, eine neue Limited Edition mit SO schönen Farben, die ist ja bald weg, brauch ich!“
  • „Wer weiß schon, ob ich morgen noch lebe, vielleicht werd ich heute Abend vom Bus überfahren, was bringen mir dann meine Ersparnisse?“

Gepaart mit dem Glaubenssatz über Geld, den ich lange hatte („Ich kann nicht mit Geld umgehen!“) ist das eine fatale Mischung, die dazu führt, dass ich oftmals am Ende des Monats im Minus war und zwar egal, wie viel ich verdiene. 😉 Eins hab ich inzwischen begriffen: Der Mensch passt sich wahnsinnig schnell an und an mehr Gehalt und mehr Luxus im Leben kann man sich rasant schnell gewöhnen. Ich arbeite seit drei Jahren und für Berufsanfänger ist es ganz normal, erstmal am Anfang den neuen Reichtum zu genießen und sich Sachen zu gönnen, die man sich bisher vorenthalten hat, hab ich mir so eingeredet. Für mich war das zum Beispiel ein Taschenbegleiter für knapp 180 Euro, mit meinem Namen reingestickt, einfach so, weil ich es konnte. 😛

Aber irgendwann plagte mich dann doch das schlechte Gewissen bzw. ich hab angefangen, langfristiger zu denken und ich stellte mich der Aufgabe, endlich mal was gebacken zu kriegen und meine Finanzen unter Kontrolle zu bekommen. Wenn du dich in meiner Beschreibung wiedergefunden hast, dann freu ich mich, dir weiterzuhelfen! 🙂

Tipp 1 Mach dir deine Glaubenssätze im Hinblick auf Geld bewusst

Glaubenssätze sind Einstellungen über uns selbst, die wir so verinnerlicht haben, dass wir überzeugt sind, dass sie stimmen und nicht mehr erkennen, dass sie lediglich in unserem Kopf existieren (und manchmal eben noch auf dem Konto ;)). Als ich mich zum ersten Mal mit meinen Glaubenssätzen über Geld auseinander setzte, war das ein totales Aha-Erlebnis. Inzwischen sag ich nicht mehr einfach „Ich kann nicht mit Geld umgehen“. Natürlich kann ich mit Geld umgehen, ich tu es ja (fast) jeden Tag! Damit übernehme einerseits Verantwortung für mein Tun, andererseits lasse ich es auch zu, endlich nicht mehr ständig pleite zu sein.

Coach und Autorin Talane Miedaner fasst es trocken zusammen:

Wenn Sie Ihren Glauben zum Thema Geld begrenzen, dann begrenzen Sie gleichzeitig Ihre finanziellen Möglichkeiten. (…) Indem Sie Ihre Gedanken zum Thema Geld nicht weiter beschränken, haben Sie schon den ersten Schritt auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit getan. Es ist nicht immer einfach, sich die eigene Meinung zu diesem Thema vor Augen zu führen. Aber anders geht es nun einmal nicht.

Zum Arbeiten an deinen Glaubenssätzen kann ich dir auch den Podcast „Wie du eine liebevolle Beziehung zu Geld entwickelst“ von Laura Seiler empfehlen. 🙂

Tipp 2 Überweise zu Monatsbeginn Geld auf anderes Konto

Praktischer Tipp Nr. 1, eigentlich ein No-Brainer und bestimmt der Tipp, der am häufigsten genutzt wird. Gleich zu Beginn des Monats oder wann auch immer das Geld reinkommt, etwas davon zur Seite legen bzw. auf ein anderes Konto überweisen. Wenn du ein Härtefall bist: Nimm am besten ein Konto, auf dass du nicht so schnell zugreifen kannst, wie ein Tagesgeldkonto.

Tipp 3 Spare auf etwas, was du wirklich willst!

Ich habs tatsächlich erst so richtig geschafft zu sparen, nachdem ich ein langfristiges Ziel hatte: Mein Yoga Teacher Training, welches im Schnitt 3.000 Euro kostet und für das ich konsequent gespart habe. Was macht dir das Sparen leichter, vielleicht eine tolle Urlaubsreise oder ein neues Sofa..? Such dir was und dann spar darauf. Das macht dann sogar fast schon Spaß und am Ende bist du stolz auf dich, wenn du es geschafft hast!

Tipp 4 Behalte mit einer App deine Ausgaben im Auge

Ich nutze die App Numbrs, um meine Ausgaben und meinen Kontostand im Blick zu behalten. So hab ich zumindest immer eine Übersicht darüber, was rausgeht und was reinkommt. Die App zeigt auch terminierte Zahlungen an, beispielsweise den Kontostand am Tag, an dem die Miete abgeht und gibt dir ein beruhigendes Gefühl, dass es noch nicht so weit ist und dass bis dahin vielleicht noch was reinkommen könnte. 😀

Außerdem sortiert sie die Ausgaben in Kategorien ein, sodass du siehst, welcher Bereich am meisten Geld frisst (bei allem, was nicht mit Bargeld bezahlt wurde natürlich). Früher hatte ich dafür auch eine Haushaltsapp, nutze ich aber inzwischen nicht mehr, aber auch das ist eine Möglichkeit.

Tipp 5 Führe das 6-Konten-Modell ein

Nachdem ich es geschafft habe, für mein Teacher Training zu sparen, starte ich mit dem 6-Konten-Modell. Das Modell ist ursprünglich von T. Harv Eker beschrieben, einen guten, ausführlichen Blogartikel findet ihr hier. Das Modell geht davon aus, dass man 50% seines Einkommens für laufende Kosten verwendet und den Rest auf 5 Konten aufteilt. Natürlich geht das nur, wenn euch 50% zum leben reichen! Ich empfehle also, zu gucken, wie viel man braucht und erst dann den Rest auf die anderen 5 Konten aufzuteilen. 😉

Die Konten sind:

  • 10% auf ein Konto für finanzielle Freiheit
  • 10% auf ein Spaß-Konto
  • 10% auf ein Rücklagen-Konto
  • 10% auf ein Konto für aus und Weiterbildung
  • 10% auf ein Spendenkonto

Das Schöne dabei ist nicht nur, dass man sich nebenher ein „Vermögen“ aufbauen kann, sondern auch, dass man völlig ohne schlechtes Gewissen Geld verpulvern, Workshops machen und Bücher kaufen („Weiterbildung“) und sogar geplant Geld spenden darf, also was zurückgibt von dem Reichtum, den man hat.

Für das 6 Konten Modell braucht man nicht unbedingt 6 physische Konten, man kann sich selbst auch Budgets einrichten. Dafür nutze ich ebenfalls die App Numbrs.

Tipp 6 Sonstiges..?

Soweit alle Tipps, die mir derzeit helfen. Weitere Ratschläge können sein: Unnötige Ausgaben identifizieren und verringern (zB Pizza selbst machen anstatt bestellen, Zeitschriften in der Bücherei lesen,…). Achja, Abos kündigen kann man hervorragend über Aboalarm! Kein Brief tippen mehr, schnell und sicher – ich liebe es. 😉

Außerdem empfiehlt es sich, weitere Einkommensquellen aufzutun, z. B. alte Klamotten über Kleiderkreisel verkaufen, zum Flohmarkt gehen, einen Shop mit Dingen aufmachen, die man herstellt.. Alles womit irgendwie Geld reinkommt, ist gut! Vielleicht könnt ihr das dann zusätzlich auf euer Sparkonto tun. Oder damit euren hedonistischen Lebensstil finanzieren. 😀

4 überzeugende Gründe, warum Yoga zu mehr Selbstliebe führt

Von allen Bewegungsarten, die ich schon ausprobiert habe, hat mir Yoga am meisten geholfen, Selbstakzeptanz und Liebe zu fördern. Wenn man vom subjektiven Wohlgefühl mal absieht, welche überzeugenden Gründe gibt es dafür, dass Yoga praktizieren zu mehr Selbstliebe führt? Die vier Gründe, die mir am wichtigsten erscheinen, habe ich dir hier zusammengefasst. 🙂 Enjoy!

1. Yoga ist erwiesenermaßen gut für die mentale Gesundheit und bei emotionalem Essen

Wenn du schon mal Yoga gemacht hast, egal ob sporadisch oder regelmäßig, wirst du das Wohlgefühl, die Entspannung und die innere Ruhe kennen, die sich nach einer tollen Yogastunde einstellen. Auch wissenschaftlich sind diese Effekte auf den Körper und Geist längst bewiesen. Viele Studien zeigen, dass Yoga bei einer Vielzahl von psychischen Erkrankungen helfen kann, wie Depression, Angst- und natürlich auch Essstörungen. Auch biochemisch ist das messbar: Das Stresshormon Cortisol wird verringert und gleichzeitig das Glückshormon Serotonin vermehrt ausgeschüttet. Die Meta-Studie der Uniklinik Jena kommt deshalb zum Schluß, dass „körperorientiertes Yoga mit den zentralen Bestandteilen Asanas und Pranayama (…) einen vielversprechenden komplementären Ansatz in der Behandlung psychischer Störungen dar(stellt)“. Für dich heißt das: Auch wenn du keine ausgeprägten psychischen Probleme hast, auch bei deinen kleinen Ticks und Problemchen, die wohl jeder von uns hat, kann Yoga auf jeden Fall helfen!

Studien zeigen auch, dass Yogapraktizierende ein besseres Körpergefühl besitzen und infolgedessen bewusster und achtsamer essen. Wie sich unser Körper fühlt, ist eng mit unserer psychischen Gesundheit verbunden. Das Wohlgefühl von Yoga wird dadurch unterstützt, dass du dich achtsamer und damit besser ernährst, weil du deine Körpersignale besser einschätzen und achten lernst. Dadurch handelst du voller Selbstachtung im Einklang mit dir selbst und deinen Bedürfnissen, was im Endeffekt zu mehr Selbstvertrauen und Liebe führt.

Es hat sich übrigens gezeigt, dass diese positiven Wirkungen umso stärker sind, je öfter Yoga praktiziert wird. Also hopp, auf die Matte mit dir! 🙂

2. Bei Yoga wird nicht beurteilt, wie gut du bist

Eine Besonderheit, die Yoga für mich ausmacht, ist, dass Lehrer den Schülern immer Alternativen zu den Asanas anbieten. Es gibt keine Weltmeisterschaft in Yoga! 🙂 Es wird betont, dass alles gut so ist, wie es ist und niemand schlechter oder besser ist, nur weil er/sie stärker oder dehnbarer ist. YogalehrerInnen werden darin ausgebildet, ihre Stunden stark auf die anwesenden Menschen auszurichten und bringen dir bei, dass nicht die äußere Form, sondern die für dich die richtige Variante wichtig und richtig ist. Eine gute Yogalehrerin ermutigt die Schüler dazu, die eigenen Grenzen wahrzunehmen, zu achten und einen liebevollen Umgang mit sich selbst zu pflegen. Eine unglaubliche Erleichterung, falls du der Typ bist, der demotiviert wird, weil er etwas nicht kann! (So wie ich! :))

Durch die fehlende Beurteilung von außen (abgesehen von gefährlichen Haltungsfehlern natürlich) lernst du mit der Zeit auch, dich selbst weniger zu verurteilen. Bei mir hat das dazu geführt, dass ich mich inzwischen in Kursen immer möglichst nah an den Spiegel setze, auch wenn ich mich bei anderen Fitness-Kursen nicht so gerne ansehe. Beim Yoga liebe ich meinen Körper, ich verurteile ihn nicht, ich bewundere ihn, dafür, wie er im Spiegel aussieht, dafür, was ich an Kraft und Dehnung aus ihm rausholen kann. Bei keinem Sport bin ich so zufrieden mit meinem Körper wie beim Yoga. Und diese Zufriedenheit trage ich immer auch ein bisschen mit nach Hause. Wenn ich danach auf mein Sofa falle, dann mag ich alle meine Rundungen und Eigenheiten, weil ich vorher gemerkt habe, wie stark und flexibel ich bin. 🙂 Und das unabhängig davon, wie ich aussehe oder was andere denken.

3. Du nimmst dir Zeit für dich

Sich Zeit für dich selbst und seine Bedürfnisse zu nehmen ist ein zentraler Bestandteil einer guten Selbstfürsorge und damit einer praktizierenden Selbstliebe. Wenn du Yoga machst, nimmst du dir diese Zeit für dich und dein Wohlbefinden. Deine Matte ist deine Insel, auf der du dich zurückziehen und vom Alltag abschotten kannst. Egal, was dich gerade sonst beschäftigt, wohin deine Gedanken wandern, was du tun musst, was du tun sollst… Die Zeit, die du Yoga machst gehört ganz dir alleine und ist dazu da, DICH glücklich zu machen und niemanden sonst.

Eine niedliche Infografik zum Thema „Importance of Me-time“ findet ihr hier.

Metime

Quelle: https://www.mindbodygreen.com/0-20080/why-me-time-is-so-important-for-happiness-infographic.html

Besonders schön ist auch Shavasana am Ende der Stunde. Wann sonst nehmen wir uns Zeit, einfach mal ruhig auf dem Boden zu liegen, zu atmen, zu entspannen und einfach nur zu sein? Im Yoga hast du die Erlaubnis dazu. Genieß diese Zeit für dich!

4. Du praktiziert damit Achtsamkeit und Achtsamkeit hilft dir dabei, dich selbst besser anzunehmen

Mangelnde Selbstliebe geht meist mit Schamgefühl einher. Wir schämen uns unserer selbst, weil wir denken, etwas an uns sei nicht richtig, schlimmstenfalls leiden wir und verstecken uns.  In ihrer wunderbaren Podcastfolge „3 Schritte wie du dich von Scham befreien kannst“, geht Kira Siefert von SoulFood Journey darauf ein, dass Achtsamkeit praktizieren dazu führt, dass wir Scham und Selbstzweifel abbauen und dadurch mehr Selbstliebe entwickeln.

Yoga ist dabei, genau wie Meditation, ein Weg, Achtsamkeit zu praktizieren. Christopher Germer, Autor des Buches „Der achtsame Weg zur Selbstliebe“ definiert Achtsamkeit folgendermaßen:

„Achtsamkeit bedeutet zu wissen, was man erlebt, während man es erlebt, ohne es zu bewerten.“

Während du Yoga machst, bist du (bestenfalls) ganz bei der Sache und richtest deinen Geist nur darauf. Nichts wird bewertet, alles darf sein. Durch praktizierte Achtsamkeit lernst du mit der Zeit, Schmerz, Leid und Scham in deinem Leben besser anzunehmen und zu akzeptieren, ohne dich davon überrollen zu lassen. Und irgendwann kannst du vielleicht in allem, was dir bisher an dir selbst noch nicht liebenswert scheint, sogar etwas Positives sehen! 🙂

 

Quellen:
Klatte, Rahel/Pabst, Simon et al.: Wirksamkeit von körperorientiertem Yoga bei psychischen Störungen. Systematische Literaturübersicht und Metaanalyse. In: Deutsches Ärzteblatt 113(12) (2016), 195-202.
Online: https://www.aerzteblatt.de/archiv/175449

Christopher Germer: Der achtsame Weg zur Selbstliebe. Wie man sich von destruktiven Gedanken und Gefühlen befreit, 2. überarbeitete Auflage, Freiburg 2011.

Kira Siefert: „3 Schritte, wie du dich von Scham befreien kannst“ Podcastfolge http://www.kirasiefert.de/05-3-schritte-wie-du-dich-von-scham-befreien-kannst/

(M)ein Leben auf Diät

Um diesen Blogpost habe ich mich nun schon seit einigen Wochen gedrückt. 😉 Warum? Weil es ein sehr persönliches, sehr tief gehendes Thema betrifft. Mich und meine Diätgeschichte. Hier fasse ich zusammen, wie sich mein Körper und mein Verhältnis dazu in den letzten Jahren entwickelt haben.

Wie viele Frauen, die sich ihr Leben lang zu dick fühlen, begann auch meine erste Erfahrung mit dem Abnehmen sehr früh. Ich hab etwa mit elf angefangen, mir Gedanken um meinen Körper zu machen und versucht, abzunehmen. Davor war ich ein ganz normales Kind. Ich war nicht dick – wenngleich ich auch nicht so dünn war, wie es viele andere Kinder von Natur aus sind. Ich war „normal“, im besten und im schlechtesten Sinne. Meine früheste Erinnerung im Bezug auf mein Gewicht ist, dass ich meine 40 Kilo mit dem Gewicht eines Freundes verglich und darüber unglücklich war, genauso viel zu wiegen wie er, obwohl ich ein Mädchen und kleiner war.

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Mit elf beim Schulfotografen

Ich wog 40 Kilo, Leute. Ich war ein Kind. Stellt euch das mal vor.

Nach der  Grundschule kam ich aufs Gymnasium und wurde in den nächsten Jahren zur Außenseiterin, wurde gehänselt und haderte immer mehr mit meinem Aussehen. Nicht nur fand ich mich zu pummelig, ich war auch so kein besonders „süßes“ Kind. So ein ganz normaler, bisschen komisch aussehender Teenager halt. 😀 Da war dieser fiese Junge, der sitzengeblieben war und dem es gefiel, auf mir herumzuhacken. Ich werde nie vergessen, wie er zu mir sagte, dass meine Beine ja ganz schön dick wären für meine kleinen Füße. Was für ein Arsch! Als Reaktion auf alle Hänseleien versteckte mich immer öfter in weiten Klamotten. Ich war so unzufrieden mit mir, dass ich irgendwann meine Jacke nicht mehr ausziehen wollte. Fotografiert zu werden fand ich furchtbar.

Mit 14 stieß ich über eine Werbung auf Almased. Kennt ihr vielleicht, dieses ekelhaft schmeckende Pulver, welches man in Wasser oder Milch einrührt und anstelle einer gescheiten Mahlzeit zu sich nehmen soll. Ähnlich wie Yokebe oder andere Pulvernahrung. Ich wollte das und zog das ganze Programm durch: Den ganzen Tag auf dem Klo sitzen zum Abführen (mit Glaubersalz – so was ekelhaftes, macht das bloß niemals) und selbstgekochte Gemüsebrühe (ohne Salz) als „Nahrung“ – ich war bereit, alles zu geben, um abzunehmen.

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Mit 13 oder 14 – Ich hasste es, fotografiert zu werden

Wie bei jeder krass kalorienreduzierten Diät klappte es erstmal und ich nahm am Anfang super ab. Diese unrealistischen Zahlen (pro Tag 0,4 kg) sollten mich noch lange verfolgen, wenn es darum ging, mich in Tagträumen darüber zu verlieren, wie toll ich abnehmen und wie ich aussehen könnte. Ich war zwar hungrig, aber auch beflügelt. Es funktionierte! Aber natürlich kam es wie es kommen musste: Auf die Diät folgte zwangsläufig eine Phase, in der ich alles in mich reinstopfte. Der ausgehungerte Körper schaltet um auf „Überleben“ und du hast einen Fressanfall nach dem Anderen. Unrealistische, strenge Zurückhaltung und ohnmächtiges Alles-In-Sich-Reinstopfen –  ich war mitten drin im Kreislauf.  Der Kreislauf, der ganz oft mit Diäten beginnt. Während ich einerseits versuchte, so wenig wie möglich zu essen und andauernd plante, wieder mit Almased zu fasten, stopfte ich andererseits alle Süßigkeiten in mich rein, die ich finden konnte. Oftmals aß ich heimlich in meinem Zimmer und versteckte voller Scham die Überbleibsel meiner Fressorgien. Ich betäubte meinen Schmerz darüber, gemobbt zu werden und dick zu sein mit Essen.

Mit 15 hatte ich das schlimmste Jahr meines Lebens. Ich hatte inzwischen massiv zugenommen und schämte mich zu Tode für mein Aussehen. Ich verkroch mich zu Hause und verließ die Wohnung nur, um zur Schule zu gehen. Der Ausdruck „Sweet Sixteen“ löste in mir traurige Bitterkeit aus. Ich war voller Neid auf alle meine schlanken, sonnengebräunten, fröhlichen Schulkameradinnen. Ich hingegen war ein fetter, unglücklicher Teenie.

Es gibt ein eindrückliches Foto aus der Zeit, welches so genau meine Situation zeigt, dass ich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. 😀 Seht selbst!

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Mit 16 beim Schulausflug in Italien

Mein Gewicht stieg stetig an, bis ich eines Tages die Zahl 89 auf der Waage sah. Bei einer Größe von 1,52m. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits Dehnungsstreifen an den Beinen, an den Armen und am Unterbauch. Eine massive Zunahme in diesem Alter, in dem die Haut noch so straff ist, macht die Haut gar nicht gut mit. Ich sah mich im Spiegel an und bemerkte, dass die Streifen auch auf meinem Oberbauch anfingen, sich auszubreiten. Ich war 16 Jahre alt, am Tiefpunkt meines Lebens und am Höhepunkt meines Gewichts angelangt.

Da beschloß ich, dass es so nicht weitergeht. Ja, ich hatte ihn, den berühmten Klick. Ich sah mich an und war voller Panik, dass bald mein ganzer Körper zerrissen sein würde. So wollte ich nicht leben. Ab da versuchte ich, weniger zu essen und nahm langsam, ganz langsam ab. Dabei Sport machen freiwillig – no way. Ich schwänzte den Schulsport so oft ich konnte, weil mir meine LehrerInnen immer vermittelt hatten, dass ich von Natur aus unsportlich und schlecht war.

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Ungefähr mit 18 – ich hatte schon etwas abgenommen

Ich beschränkte mich darauf, ein bisschen weniger zu essen. Langsam nahm ich damit in 3 Jahren 30 Kilo ab. Dabei gab es leider kein Geheimrezept, welches ich euch hier präsentieren kann. Wieder Hungergefühl zulassen, es manchmal aushalten und weniger essen. Ich glaube, mein junger Körper war froh, das Gewicht wieder loszuwerden!

Mit 20 war ich dann endlich das erste Mal in meinem Leben schlank und fühlte mich schön. Ich veränderte mich: Meine Haare wurden heller, ich fing an ins Solarium zu gehen und wurde eine kleine Barbie. 😉 Außerdem ging ich zum ersten Mal in meinem Leben in normale Clubs und verhielt mich so dumm, wie man nur will, wenn man endlich eine riesengroße Last verloren  und sein Leben zurückgewonnen hat. Ich genoß mein Leben in vollen Zügen.

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Mit 21: Blond, angetrunken und happy 😉

Trotzdem war mein Kopf noch immer voller Diätgedanken. Ich teilte Lebensmittel auf in gut und schlecht (z.B. fettreduzierte Milch ist gut, alles mit Vollfett ist böse..). Ich bewachte meinen Körper und machte meine Laune von der Zahl auf der Waage abhängig. Wenn sie anzeigte, dass ich zugenommen hatte, überwachte ich mich und versuchte, an dem Tag weniger zu essen.

Nachdem ich zum Studium nach Karlsruhe zog, fing ich zum allerersten Mal in meinem Leben an, freiwillig Sport zu machen, weil ich keine Angst mehr haben musste, dafür von einem Lehrer verurteilt zu werden. Ich ging laufen. Beim ersten Mal 20 Minuten, dann 40 Minuten und seit damals hab ich nie wieder aufgehört. 🙂 Ich fing damit an, um abzunehmen, aber laufen half mir auch dabei, meine Fressanfälle in den Griff zu kriegen.

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Bei meinem ersten Halbmarathon – Schaut nur, wie ich strahle! 😀

Damals hörte ich auf, fettreduzierte Lebensmittel zu kaufen. Ich wurde von der Vegetarierin zur Allesesserin, weil ich keinerlei Lust mehr auf Verzicht hatte. Ich erlaubte mir zum erstem Mal in meinem Leben jedes Lebensmittel, das ich wollte. Dennoch war ich nicht geheilt. Ich aß zwar alles, aber ich fing dafür an, Kalorien zu zählen („Macro tracking“) und zu viel Essen mit Sport wieder „gutzumachen“. In den Jahren meines Studiums nahm ich wieder etwas zu. Es überkamen mich immer noch Fressanfälle, wenn ich Hausarbeiten schreiben musste und stattdessen faul war. Oder wenn ich zu viel gegessen hatte, um an dem Tag abnehmen zu können und dann „eh schon alles egal war“. Um mich zu betäuben und zu bestrafen. Ich hatte viele Zeiten, in denen ich mich fett und unansehnlich fühlte. Ich wollte oftmals abends nicht ausgehen, weil ich mich zu fett fand. Ich versteckte mich.

All die Jahre haben mich Bücher übers Intuitive Essen begleitet. Aber erst vor 2 Jahren habe ich mich tatsächlich getraut, damit anzufangen. Weil ich mir nicht vertraute. Wie auch? Ich hatte so oft Diäten gemacht, Kalorien gezählt, mich zum Sport gezwungen und immer, immer wieder „versagt“. Ich hatte wahnsinnige, wahnsinnige Angst davor, zuzunehmen und dieses Gefühl der Kontrolle und der Macht zu verlieren. Und diesen Zauber, den man verspürt, wenn man an eine glorreiche Zukunft denkt, in der man schlank ist. „Ab morgen werde ich schlank und fit“ ist die Zauberformel, nach der so viele von uns leben und hinter der sich die Ahnung des wunderbaren Lebens verbirgt, das man haben muss, wenn man schlank ist.
Damals wusste ich nicht, dass es TOTAL NORMAL ist, bei Diäten zu versagen und danach wieder zuzunehmen. Nicht du bist Schuld, sondern die Diäten. Und ich wusste nicht, dass es einen nicht automatisch glücklich, zufrieden und himmelhochjauchzend macht, wenn man das Gewicht erreicht, dass man sich wünscht. Sondern dass man sich zuerst selbst akzeptieren muss, um sich gut zu fühlen und zwar mit jedem Gewicht. Dass man sich alles erlauben und jedes Leben haben darf, egal wie man aussieht. Die schönsten und schlankesten Menschen der Welt können sich dick und hässlich fühlen und es gibt Leute, die sind Sexbomben, obwohl sie „zu viel“ wiegen. Your mind makes all the difference!

Eines Tages lag ich dann im Bikini in der Sonne auf meinem Balkon und las „Essen als Ersatz“ und beschloß, dass ich nichts mehr zu verlieren hatte. Mit intuitiv essen anzufangen veränderte alles. Ich gab meine Waage weg (und es fiel mir sehr, sehr schwer!). Ich hörte auf, Kalorien zu zählen. Ich hörte auf, meine Pulsuhr mit Kalorientracker beim Sport zu nutzen. Jeder dieser Schritte fiel mir unglaublich schwer. Ich musste die Kontrolle abgeben und ich wollte so gern daran festhalten. Aber: Ich hatte alles versucht und war wieder und wieder nicht zum Ziel gelangt. Jetzt wollte ich HEILUNG. Ich hatte genug von diesem Leben. Ich war misstrauisch und ängstlich, aber ich erlaubte mir zum ersten Mal, ohne Kontrolle zu essen.

Was dann passierte, war magisch. Dadurch, dass ich mir keine Lebensmittel mehr vorenthielt, GAR NICHT, konnte ich wieder freiwillig verzichten. Ich kam über einen Radiobeitrag über Hof Butenland zum Veganismus und fing an, mich vegan zu ernähren. FREIWILLIG. Weil ich es wollte! Nicht, weil ich das Gefühl hatte, ich müsse das tun und nicht, um abzunehmen. Aus freien Stücken. Diese Entscheidung machte mich selbstbewusster. 🙂 Es war meine Entscheidung und mein Ding. Ich tat es für mich und zum allerersten Mal hatte ich Freude daran, etwas wegzulassen und anders zu essen.

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Vor zwei Jahren auf einer Hochzeit in Spanien – Es geht mir gut!

Und heute? Ich ernähre mich jetzt seit etwa zweieinhalb Jahren so und es geht mir sehr, sehr gut damit. 🙂 Ich habe die meisten Diätgedanken überwunden, für mich steht die gesamte Palette der Lebensmittel offen. Ich mache Sport, weil es mir Spaß macht, etwas, das ich mir früher niemals hätte vorstellen können. Ich hab weiterhin abgenommen und tue das immer noch, glaube ich. Ich merke das inzwischen nur noch, wenn meine Klamotten anders sitzen. Ich gehe auf die Waage, wenn ich bei Freunden bin (mit Klamotten an :D) und vor kurzem habe ich das zum ersten Mal VERGESSEN und es war mir vollkommen egal. Derzeit arbeite ich daran, in Gesellschaft oder beim Essen gehen mehr auf mich zu hören und auch da nicht zu viel zu essen. Ich hab immer noch Trigger, aber ich weiß inzwischen sehr viel besser, was mir gut tut und werde immer besser darin, sie zu vermeiden.
Außerdem arbeite ich jeden Tag daran, meinen Körper zu akzeptieren und schön zu finden. Ich hab überschüssige Haut an den Armen und vor allem am Bauch und schäme mich immer noch manchmal dafür. Genauso wie wie für meine Cellulite am Hintern. Aber mein Verhältnis zum Körper wird immer besser. Dabei hilft mir auch, dass ich den allerbesten Freund der Welt habe, der mir unangeschränkt das Gefühl gibt, dass ich wunderbar, schön und begehrenswert bin und dass ich nichts an mir ändern muss. Und Yoga! Durch Yoga hab ich gelernt, mich immer mehr so anzunehmen wie ich bin und das alles was ich kann, genau so gut ist. 🙂

Was ich aus meiner Geschichte gelernt hab: Ich möchte anderen Menschen dabei helfen, Diätgedanken aus ihrem Leben zu streichen und zurückzukehren zu einem natürlichen, intuitiven Verhältnis zu Essen und Sport. Ich möchte dich dabei unterstützen, wenn du das brauchst. Außerdem will ich auf die unrealistischen Schönheitsbilder aufmerksam machen, die vor allem uns Frauen unter Druck setzen, sexy und fuckable zu sein. Ich träume davon, dass sich alle mehr selbst lieben und akzeptieren können. Ich träume von einer Welt, in der es die Worte Makel und Schönheitsfehler nicht mehr gibt. In der wir einfach SEIN dürfen, wertvoll sind, egal wie wir aussehen.

Mein Leben ist ein Abenteuer – Wie ich es schaffe, mehr Spannung in meinen Alltag zu bringen

Träumst du davon, deinem Alltag zu entfliehen und woanders zu sein? Lebst du für deine Urlaube und kannst mit deiner jetzigen Situation nicht so viel anfangen? Kommt es dir so vor, als sei dein Alltag grau und trist, dein Schreibtischjob langweilig und deine Stadt zu klein? Das kenn ich alles, aber ich hab’s überwunden. 🙂 Heute zeig ich dir, wie ich Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Dingen zur Lebensmaxime erkärt und damit mein Leben zu einem großen Abenteuer gemacht habe.

Es ist Ende Juni 2015. Ich bin auf dem Fusion-Festival in der Nähe der Mecklenburgischen Seenplatte und gehöre zu einer großen Gruppe aus etwa 30 Leuten. Nur meine Freundin Sophie kenne ich richtig, der Rest sind Freunde von ihr, die ich hier zum ersten Mal getroffen habe. Der erste offizielle Festival-Abend steht bevor und Sophie hat einen Wunsch: Sie möchte unbedingt zur Eröffnung der Tanzwüste mit Monolink gehen. Außer ihr kennt keiner der Anwesenden Monolink und keiner hat Lust. Ich schon. Ich mag Sophie und ich weiß, dass sie einen tollen Musikgeschmack hat und außerdem möchte ich sie begleiten, weil es ihr wichtig ist.
Also stapfen wir kurz vor 18 Uhr zur Tanzwüste und schauen uns Monolink an. Seine Musik gefällt mir sofort. Er spielt Gitarre und singt, aber es ist trotzdem elektronisch und total eingängig. I like! Auf einmal fängt es an zu regnen und wir verkriechen uns mit anderen Leuten unter einer großen Sitzbank. Es regnet richtig dicke, schwere Tropfen und wir werden trotz schützender Bretter über uns ziemlich nass. Doch plötzlich hört der Regen wieder auf. Wir laufen zurück zur Tanzfläche, die Sonne kommt raus und Monolink spielt ein Lied, was mir bis heute Gänsehaut bereitet: Burning Sun. ❤

Warum habe ich diese Geschichte gewählt, um das Thema zu starten? Diese Erinnerung markiert den Anfang eines Mindset-Wandels, der inzwischen Teil meiner Persönlichkeit geworden ist. Die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und Unbekanntem. Ich hab gelernt, mich auf Dinge einzulassen, ohne mich vorher erst davon zu überzeugen, dass ich sie mögen werde. Ich hab Vertrauen in Freunde, die Empfehlungen aussprechen. Ich fühle mich zu etwas hingezogen und probiere es dann einfach. Und größer gedacht: Ich hab Vertrauen ins Universum, das es mir die richtigen Möglichkeiten zur richtigen Zeit eröffnet.

Das ist deshalb besonders bemerkenswert, weil früher mein Credo war „Tu nichts, was du nicht willst“. Das sollte natürlich immer ein Grundsatz sein, damit man nicht auf einmal etwas macht, was einem Unbehagen bereitet oder langweilt. Es geht auch nicht darum, sich zu Dingen zu zwingen, die einem nicht gut vorkommen. Aber wenn man zu viel grübelt und Infos einholt, bevor man etwas tut, wie soll man sich denn da noch überraschen lassen? Im Endeffekt kann man so zu jemandem werden, der auf viele Dinge keine Lust hat, weil er oder sie meint, schon zu wissen was kommt.

Ich will anders sein: Ich bemühe mich, offen und aufgeschlossen durchs Leben zu gehen, jeden Tag ein bisschen mehr. Und zwar auch und gerade im Alltag, in meiner Stadt, in meiner gewohnten Umgebung. Diese Punkte helfen mir dabei und versuche ich umzusetzen:

Empfehlungen von Freunden oder anderen lieben Menschen annehmen (Bücher, Serien, Filme..) und Freunde begleiten, wenn sie irgendwohin möchten.
Natürlich sollte euer Geschmack irgendwie mit dem eurer Freunde kompatibel sein. 😀 Aber dann könnt ihr euch auch mal drauf einlassen, auch wenn sie beispielsweise etwas vorschlagen, was normalerweise nicht euer Ding ist.
Die meisten Menschen freuen sich unheimlich, wenn sie Empfehlungen aussprechen und diese auch angenommen werden. Ich hab mich so gefreut, zu Weihnachten sowohl meine Mama als auch meine quasi Stiefmama mit Yoga angesteckt zu haben, indem ich ihnen DVDs geschenkt habe. Sie benutzen sie und das macht mich so stolz! Damit tut ihr also euch selbst und dem Anderen einen großen Gefallen. 🙂

Nicht alles zerdenken und sich fragen, ob dies, das oder jenes was für mich ist. Spontaner und aus dem Bauch heraus zu entscheiden, auch wenn ich nicht alle Infos habe. Im ganz Kleinen kann das sein, einfach spontan einen Film zu gucken, ohne Trailer, nur basierend auf Hörensagen. Oder eine Serie, alle meine letzten Serien wurden spontan ausgesucht, weil ausschalten kann man ja immer noch! 😀 Im Großen kann das sein, in eine fremde Stadt zu fliegen, weil gerade die Tickets günstig sind, auch wenn man sich mit dieser Stadt noch gar nicht so wirklich auseinander gesetzt hat. Einfach mal ausprobieren! Und wenn es schlecht ausgeht, ist es hoffentlich trotzdem eine gute Geschichte. 🙂

Wenn das Universum mir eine Gelegenheit bietet, ergreife ich sie, so lange es sich richtig anfühlt. Das kann ein Job sein, eine Reise, … Wenn ich mich entscheiden muss und das auf Anhieb nicht kann, versuche ich, Zeichen des Universums zu erkennen. Zum Beispiel wollte ich dieses Jahr eine Yogareise machen, konnte mich aber nicht entscheiden. Das Haus, in das ich wollte, hatte nur zwei Termine, die in Frage kamen, aber keiner davon hat mich direkt überzeugt. Dann sah ich in den Insta Stories, dass sich Madeleine von dariadaria.com für einen der Termine angemeldet hatte (Festivalito) und hab das als Zeichen genommen, mich auch dort  anzumelden. 🙂 Danke, Madeleine und danke Universum! 😀

Ich lasse mich nicht zurückhalten, wenn ich irgendwohin möchte und kein anderer sich dafür interessiert. Dann geh ich alleine! Alleine zu Konzerten zu gehen beispielsweise macht total viel Spaß. Man kann ausgelassen tanzen und es interessiert keinen und danach verschwindet man einfach wieder oder hängt noch ein bisschen an der Bar rum. Die größte Unabhängigkeit – großartig, ich liebe es! 🙂

Ich halte die Augen offen z. B. nach Events, die ich cool finden könnte. Ich wette, auch dort, wo ihr wohnt, geht viel mehr, als ihr wisst. Ich liebe es, nach spannenden Terminen zu gucken und schreibe mir im Voraus alles im Kalender auf, was interessant klingt. So hab ich eine Art kleinen, persönlichen Eventkalender und Optionen, auch wenn ich dann nicht alles mache. 🙂
Schaut doch zum Beispiel mal bei Hey event vorbei, guckt, ob es eine Rausgegangen-Seite für eure Stadt gibt oder schaut in lokale Magazine mit Tipps. Oft gibt es auch günstige oder kostenlose Events! Man muss nur die Augen offen halten. (Meine Leidenschaft für diese Planung hat übrigens inzwischen dazu geführt, dass ich mit einer Freundin die Rausgegangen Karlsruhe Facebookseite betreue. Sowas kann also auch passieren. :D)

Ihr seht, im Prinzip geht es darum, Vertrauen in den Lauf der Dinge zu haben und sich überraschen zu lassen. Weil unser Leben nun mal auch aus Alltag besteht. Aber auch diesen Alltag können wir uns im Kleinen spannend und aufregend gestalten. Indem wir uns einfach selbst Raum geben, vom Leben  überrascht zu werden.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat dir Impulse gegeben, deinen Alltag auch mal wieder etwas explorativer und neugieriger auf gute Überraschungen zu gestalten. 🙂 Würde mich sehr freuen! ❤

 

 

Warum es furchtbar – und unumgänglich ist, FeministIn zu sein

I raise up my voice—not so I can shout, but so that those without a voice can be heard…we cannot succeed when half of us are held back.
Malala Yousafzai

Heute zum Internationalen Frauentag 2017 schreibe ich über ein Thema, welches mir schon länger im Kopf herumschwirt. Darüber, wie es ist, eine Feministin zu sein. Darüber, dass es furchtbar ist und trotzdem ohne Alternative.

Feminismus hat mich mein Leben lang begleitet. Meine Mama, 23 Jahre jung, als sie mich bekam, ohne festen Partner, ohne Schulabschluss, aber mit Träumen und Visionen, hat mich dazu erzogen. Sie war auf sich allein gestellt und obwohl sie dann später meinen Papa und Vater meiner Schwester kennenlernte, war sie immer eine starke und unabhängige Frau. Ihre Erziehung war durchdacht – Sie gab mir Bücher über starke Mädchen zu lesen, sie brachte mir von Anfang an bei, dass ich und meine Bedürfnisse der Kompass meines Lebens sind, dass mich niemand ausnutzen, gegen meinen Willen anfassen oder über mich bestimmen darf. Dafür bin ich ihr bis heute so sehr dankbar.
(Wenn ihr Büchertipps für kleine Mädchen braucht, schreibt mir gerne. Ich schätze diese Bücher bis heute.)

Mein erstes Emma-Abo bekam ich so etwa mit 15. Ab da ging ich mit einer Wut im Herzen durch die Welt. Wut auf die Ungerechtigkeit und den Wahnsinn, der vielerorts auf der Welt damit einhergeht, dass wir als Frauen geboren werden.

Aber uns geht es doch gut (in Deutschland), sagst du? Mag sein, dass es uns ziemlich gut geht, ja. Aber das Ding ist, ich kämpfe nicht nur für mich. Ich kämpfe und ich mache den Mund auf für alle Frauen der Welt.

Für die jesidischen Mädchen, die vom IS bei lebendigem Leib verbrannt werden

Für die Mädchen und Frauen, die während ihrer Periode weggeschickt werden und dabei manchmal sterben

Für die Mädchen, deren Genitalien in jungen Jahren verstümmelt wurden und von denen auch knapp 50.000 in Deutschland leben

Diese Themen sind ja schlimm, sagst du? Ja, das sind die. Und genau deshalb ist es furchtbar, FeministIn zu sein. Es tut weh. Ich leide daran. An manchen Tagen hab ich so viele Themen mitbekommen, die schlimm waren, dass ich richtig großen Weltschmerz hatte. Dass ich abends fertig mit der Welt war. Okay, vielleicht bist du besser darin als ich, das einfach nicht an dich ranzulassen. Gut.

Was hat das also mit mir zu tun, sagst du? Nun, du musst verstehen, dass alles zusammenhängt. Dass wir im Kleinen anfangen müssen, etwas zu ändern. Dass der kleine Sexismus, die kleine Objektifizierung, nackte Frauen in der Werbung, gewaltvolle Pornos usw. usf. dazu führen, dass wir Frauen als Objekte wahrgenommen werden und damit ent-menschlicht. Dass uns damit unsere Menschenwürde weggenommen wird. Wir sind keine Dinge, wir sind Menschen.

Nehmen wir das Thema Periode. In anderen Ländern werden menstruierende Mädchen und Frauen weggeschickt. Bei uns ist Perdiodenblut in der Werbung blau und zu sagen „Du hast wohl deine Tage“ ist lustig (hohoho), aber siehst du den Zusammenhang? Alles hat dieselbe tiefsitzende Ursache. Ausscheidungen des weiblichen Körpers sind eklig. Damit müssen wir aufhören (und ja, auch mir fällt das schwer, weil es so tief sitzt in unserer Sozialisierung).

Ich bin eine Frau und ich kann nicht keine Feministin sein. Ich kämpfe für mich und für dich und für alle Frauen der Welt. Ich racker mich ab, ich schreib Kommentare bei Facebook, ich teile Artikel, ich mache mich lächerlich und unbeliebt mit meinen Sprüchen, ich diskutiere, ich stelle in Frage, ich kann nicht anders. Auch das ist manchmal furchtbar. Aber irgendjemand muss es tun. Ich bin es mir selbst schuldig, so zu sein. Und manchmal bekomme ich Nachrichten und Freundinnen sprechen mit mir und danken mir dafür. Und das tut gut. ❤ Wir sollten alle zusammen halten.

Wie feierst du heute den Weltfrauentag? Ich fände es toll, wenn du anderen Frauen sagst, wie viel sie und ihre Unterstützung dir bedeuten. Und wenn du den Mund aufmachst gegen Ungerechtigkeit, und sei sie noch so klein und „unwichtig“. Irgendjemand da draußen ist dir dankbar dafür. 🙂

Habt alle einen wunderbaren Tag! #sisterhood!!

malala
(Quelle: Buzzfeed „12 Powerful And Inspiring Quotes From Malala Yousafzai“)

Vorsätze sind doof! ..Oder doch nicht?

Als Expertin für gescheiterte Vorsätze hier meine Tipps, damit ihr nächstes Jahr nicht in derselben Falle landet: Wie man gute, motivierende Vorsätze findet, die einen nicht schon am ersten Januar stressen.

Eigentlich halte ich nichts mehr von Vorsätzen. Dieses klassische „An Weihnachten wird nochmal so richtig geschlemmt und dann ab Januar esse ich nur noch 1 Salatblatt am Tag“ hab ich schon lange überwunden – Ich hab gecheckt, dass das bei mir [und den meisten anderen Menschen, die ich kenne] nur zu Frustration und Selbsthass führt, da es eigentlich schon abzusehen ist, dass solche Vorsätze nicht eingehalten werden können. (Außer man verfügt über eine enorme Willenskraft. Wenn man diese Willenskraft hätte, würde man sich aber über die Festtage gar nicht erst so vermeintlich disziplinlos verhalten. ;))

Aber auch ich spüre die Magie des neuen Jahres. Alles auf Anfang, alles frisch, alles neu – Es fühlt sich an, wie eine kleine Chance, sich selbst noch einmal neu zu erfinden und was zu ändern. Und dieses Jahr kam in mir die Lust auf, mir mal wieder etwas vorzunehmen fürs neue Jahr. Aber: Diesmal muss es etwas sein, worauf ich mich freue. Und so gehe ich dabei vor. 🙂

Triff positive Aussagen

Beim Umsetzen von guten Vorsätzen habe ich irgendwann festgestellt, dass es mir sehr viel leichter fällt, mir gute Gewohnheiten anzutrainieren statt schlechte Gewohnheiten abzutrainieren. So hab ich mir dieses Jahr endlich angewöhnt regelmäßig Zahnseide zu benutzen. Oder manchmal vor der Arbeit laufen zu gehen. Ich hab mir hingegen nicht abgewöhnt, auch mal zwischendurch nen Tag auf der Couch abzuhängen und Serien zu gucken. 😉

Deshalb: Versuche immer, dir etwas positiv Besetztes vorzunehmen. Beispiel: Statt „Weniger Döner nach dem Feiern“ nimm dir vor „Nächstes Mal Falafel nach dem feiern!“. (Win-Win-Situation: Damit hast du nicht nur dir, sondern auch dem Tier was Gutes getan. :D)

Nimm dir was vor, was dir Spaß macht

Meine große Lust, mir was vorzunehmen kommt diesmal auch daher, dass typische Themen für Vorsätze inzwischen bei mir positiv besetzt sind. Das heißt, alles rund um Sport ist inzwischen weniger ein Überwindungsthema, sondern oftmals aufregend und spannend. Damit hab ich schon mal erreicht, dass ich das leidige Sportthema positiv besetzen kann. Konkret nehme ich mir fürs neue Jahr vor, mindestens einen Halbmarathon zu laufen. Außerdem möchte ich klettern lernen und mehr Kurse im Fitnessstudio ausprobieren.

Wenn du „noch nicht soweit bist“ und dir beispielsweise der Gedanke an Sport noch quälend vorkommt, frag dich: Gibts irgendwas an Sport da draußen, was dir gefällt? Vielleicht gehst du gerne schwimmen oder Rad fahren oder oder oder. Egal was, Hauptsache, es macht dir Spaß (okay, das war jetzt fast ein Werbeslogan! :D)!

Wenn du jemand bist, der sich immer viel vornimmt, fühlt sich das im ersten Moment vielleicht zu lasch an. „Wie, ich soll mir einfach nur vornehmen, einmal die Woche schwimmen zu gehen!? Nee nee, ich muss härter zu mir sein.“ Aber, und das ist der Unterschied: Wenn du Lust darauf hast, sind die Chancen tausendmal höher, dass du dann auch was davon umsetzt, als wenn du dir beispielsweise einfach nur vornimmst, drei Mal die Woche Sport zu machen (was sowieso zu unspezifisch wäre). Fang an, geh, beweg dich. Hauptsache du tust es. Der Rest kommt dann von allein. Wenn du dich einmal in Bewegung gesetzt hast, wirst du dich auch in anderen Bereichen bewegen. Und vielleicht bist du am Ende des Jahres viel sportlicher als du es zu Beginn gedacht hättest. Das Wichtigste ist nur: Fang an!

Challenge dich – aber auf ne nette Weise

Meine Kollegen fragten mich irgendwann im Laufe des Jahres, ob ich in der Halbmarathon- Staffel einige Monate später mitlaufen möchte. Ich wusste, das liegt noch in weiter Zukunft, ich bin auch schon alleine einen Halbmarathon gelaufen, das krieg ich hin. Als es dann soweit war und ich zu meinen 12 Kilometern antreten musste, war ich aber mal so gar nicht optimal trainiert und auch äußerst lustlos. 😀 Trotzdem wusste ich aus meiner Erfahrung – Ich kann das.

Und das macht für mich eine gute Challenge aus: Sich etwas vorzunehmen, bei dem man weiß, man kann es [prinzipiell]. Es erfordert nur ein bisschen Mut, aber es ist machbar.

Mir gab dieser 12 km-Lauf letztlich die Energie, insgesamt wieder viel öfter laufen zu gehen. Und diese Motivation entstand auch aus dem Stolz, dass ich da zugesagt und es dann durchgezogen hab, auch wenn ich nicht optimal vorbereitet war. Das Gefühl, mir selbst gegenüber ein Versprechen eingehalten zu haben und auch Recht gehabt zu haben, dass ich das kann, das war im Nachhinein wunderbar und genau das, was ich zu dem Zeitpunkt gebraucht habe.

Deshalb such dir ne Challenge, die dir ein bisschen Angst macht, aber auf die du auch Lust hast. Du wirst dich danach viel besser finden als zuvor. Du wirst stolz auf dich sein. Und dieser Stolz hilft dir dann, auch wieder andere Projekte anzugehen.

Lern was Neues – aber mach es nur für dich

Nimm dir vor, nächstes Jahr etwas Neues zu lernen, was dich schon immer interessiert hat. Aber: Es soll wirklich DICH interessieren und nichts sein, von dem du denkst, du solltest es nun endlich mal lernen. Französisch packt dich nun mal nicht, auch wenn du nahe der Grenze wohnst? Egal! Lern portugiesisch, wenn du darauf mehr Lust hast! Du brauchst jetzt nicht anfangen, dir mal wieder was vorzunehmen, was du schon ewig mit dir rumschleppst. Du lebst doch vor allem für dich selbst. 🙂 Lass den Gedanken gehen und freu dich darauf, diese Energie in was umzusetzen, das dir Spaß macht.

Unser Gehirn liebt es übrigens, neue Dinge zu lernen. Das macht ihm Freude und hält jung. 🙂 Und es hilft, falls du das Gefühl hast, dein Leben ist grade zu eintönig. Also: Such dir was aus, was du schon immer mal können wolltest und fang an. Guck mal, du hast die Zeit und die Ressourcen [hoffentlich], mach dein Leben reicher. Mach es spannender.

Und zu guter Letzt: Sei nicht böse, wenn du irgendwas nicht schaffst. Du machst das für dich, deine Vorsätze sind das Sahnehäubchen auf deinem Leben. Wenn dir dieses Leben nun mal dazwischenkommt – So what! Wie Samuel Beckett sagte:

Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better.